Energiekonzept der Bundesregierung

Auf der Basis europäischer Rahmenbedingungen wurden mit dem im September 2010 von der Bundesregierung vorgelegten Energiekonzept langfristige Leitlinien und Zielgrößen für die Erreichung eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050 formuliert und die energetische Gebäudesanierung als entscheidendes Tätigkeitsfeld der deutschen Klimaschutz- und Energieeffizienzpolitik herausgestellt

Bis 2020 wird eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent im Vergleich zu 1990 und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent angestrebt. Der Verbrauch an Primärenergie soll bis 2020 gegenüber 2008 um 20 Prozent und bis 2050 um 50 Prozent verringert werden. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch soll auf 60 Prozent im Jahr 2050 und die energetische Sanierungsrate für den Gebäudewärmeschutz von 0,8 Prozent auf 2 Prozent des Gebäudebestands erhöht werden.

Im November 2016 wurde von der Bundesregierung der Klimaschutzplan 2050 beschlossen, der die Leitbilder und Leitplanken für die Erreichung eines nahezu treibhausgasneutralen Gebäudebestands im Jahr 2050 vorgibt. Die Strategie der Bundesregierung setzt neben Anreize durch Subventionen, Förderungen und Ordnungsrecht auf marktwirtschaftliche Prinzipien sowie auf Freiwilligkeit. Neben der Anzahl und Tiefe energetischer Maßnahmen am und im Gebäude, stellen zudem das Nutzerverhalten sowie die Passgenauigkeit der Förderprogramme wichtige Variablen dar, um die klimapolitischen Ziele im Bereich der Wohngebäude erreichen zu können.

Energieverbrauch im Wohngebäudebestand

Insgesamt 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und in rund 30 Prozent der Treibhausgasemissionen entfallen auf den Gebäudebestand. Der Energieverbrauch in Wohngebäuden im Jahr 2015 betrug rd. ein Viertel (26 %) des gesamten deutschen Endenergieverbrauchs in Höhe von 2.466 Terawattstunden (TWh). Den größten Anteil am Verbrauch haben dabei die Anwendungsbereiche Raumwärme (69 %) und die Bereitstellung von Warmwasser (14 %).

Grafik: Energieverbrauch privater HaushalteUm die klimapolitischen Ziele der Bundesregierung zu erreichen, ist eine nachhaltige Reduktion des Energieverbrauchs notwendig. Dazu bedarf es zum einen der Steigerung der Energieeffizienz und zum anderen einer Reduktion des Verbrauchs nichterneuerbarer Primärenergie im Wohngebäudesektor (Dekarbonisierung). Die energetische Sanierung des Gebäudebestands stellt daher ein Kernelement der energetischen Modernisierung dar.

Wohnungseigentümergemeinschaften

Gemäß des Zensus 2011 gibt es bundesweit ca. 1,8 Millionen WEG mit mehr als 9 Millionen. Eigentumswohnungen. Diese entsprechen über 22 Prozent aller Wohneungen in Deutschland. Eigentümergemeinschaften sind damit die zweithäufigste Eigentumsform nach dem Eigenbesitz von Immobilien (58 %).

Grafik: Wohnungen nach EigentumsformDer Anteil kommunaler (6%) und genossenschaftlicher (5%) Unternehmen fällt deutlich geringer aus, als in der öffentlichen Wahrnehmung häufig angenommen.

Wohnungseigentümergemeinschaften stellen mit 4,9 Millionen vermieteten Eigentumswohnungen dem Mietmarkt mehr als doppelt so viele Wohnungen zur Verfügung als kommunale Unternehmen. Die Zahlen verdeutlichen: Für das Erreichen der Klimaschutzziele ebenso wie für die Schaffung generationengerechter Wohnungen ist die Einbeziehung der WEG und Eigentümer/innen der bundesweit 9 Millionen Eigentumswohnungen relevant.

Erreicht werden können diese über Haus- und Immobilienverwalterinnen und -verwalter, die bei der Erfüllung der klimapolitischen Ziele eine wichtige Multiplikatorenfunktion haben. Bundesweit werden insgesamt über 18 Mio. Wohnungseinheiten verwaltet, das entspricht rund 42 Prozent aller Wohnungen. Neben den 9 Mio. Eigentumswohnungen in der gesetzlich vorgeschriebenen WEG-Verwaltung umfasst diese Zahl 9 Mio. mietverwaltete Wohnungen in Ein- und Mehrfamilienhäusern privater Eigentümer. Darüber hinaus stehen dem Wohnungsmarkt weitere 4,9 Mio. vermietete Eigentumswohnungen zur Verfügung, von denen ein Teil über die Sondereigentumsverwaltung ebenfalls treuhänderisch verwaltet wird. Dem gegenüber gibt es bundesweit 4,4 Mio. kommunale und genossenschaftliche Wohneinheiten. Die Relation verdeutlicht die Bedeutung der Wohnungen privater Eigentümer und die Steuerungspotenziale von Verwalterinnen und Verwaltern bezüglich der energetischen Sanierung und Modernisierung im Bestand. Mit einem Anteil von rund 70 Prozent weisen WEG den höchsten Anteil sanierungsbedürftiger Wohnungen auf, was den Handlungsbedarf verdeutlicht. Einer Erhöhung der Sanierungsrate in WEG stehen oft mangelnde Expertise, fehlende finanzielle Möglichkeiten sowie die Komplexität von Energieeffizienzmaßnahmen und Entscheidungsprozessen in WEG dar.

Daher entscheidet die Qualifikation von Verwalterinnen und Verwaltern darüber, inwieweit diese in der Lage sind den neuen Anforderungen gerecht zu werden.